Sankt-Katharina-Tagebücher: Wo die Stille eine Krone trägt
In Sankt Katharina weht der Wind nicht nur – er flüstert Geschichten von jedem Bergrücken. Die Ankunft hier fühlt sich an, als würde man durch eine Tür in die Stille treten. Der Duft von Holzrauch, das Knirschen des Kieses unter den Füßen und ein Himmel, so weit, dass sich die Brust weitet. Dies ist nicht nur ein Ort zum Besichtigen; es ist ein Ort, der zurückblickt.

Berg Sinai: Die heilige Treppe
Man besteigt den Berg Sinai nicht. Man hört ihm zu. Fragen Sie Mahmoud, einen drahtig gebauten beduinischen Führer, der ihn mehr als 500 Mal erklommen hat. Er wird sagen: „Jeder Schritt ist ein Gebet, selbst wenn man nicht betet.“
Nachtwanderungen beginnen unter einem Meer von Sternen. Der Pfad windet sich hinauf mit stillen Pilgern und Taschenlampenschein. An der Spitze – gegen 5 Uhr morgens – hört man Gemurmel, Kameraklicks und manchmal Tränen. Dann ergießt sich der Sonnenaufgang in goldenen Strahlen über schroffe schwarze Gipfel. Der Abstieg ist wärmer und noch stiller.
Tipp: Kleiden Sie sich in Schichten, bringen Sie Datteln und Wasser mit, und mieten Sie ein Kamel, wenn Ihre Knie nicht mitspielen.
Wadi Arbaein: Das Tal, das wacht
Wadi Arbaein kündigt sich nicht an. Es offenbart sich langsam – vorbei an Gärten, steinernen Häusern und Ziegen, die wie Statuen dastehen. Der Pfad folgt einem plätschernden Bach, gesäumt von Oleander und Feigen. Er ist schattig, heilig und fühlt sich an, als hätte er auf Sie gewartet.
Auf halbem Weg befindet sich das Kloster der Vierzig Märtyrer. Sie könnten es geschlossen vorfinden. Das spielt keine Rolle. Setzen Sie sich. Atmen Sie. Manchmal geht ein Hirte vorbei. Manchmal passiert gar nichts – und genau das ist der Punkt.

Katharinenkloster: Der älteste Gastgeber der Zeit
Im Herzen der Berge steht eines der ältesten noch funktionierenden christlichen Klöster. Es wirkt unscheinbar – Sandsteinmauern und grüne Zypressen. Aber im Inneren? Eine Bibliothek mit Texten, die älter sind als die meisten Städte. Eine von Kaisern erbaute Kapelle. Ein Busch, von dem manche glauben, es sei der Brennende Busch.
Bei meinem Besuch überreichte mir Bruder Paul eine winzige Papierikone und sagte: „Sie müssen nicht alles verstehen. Gehen Sie einfach behutsam.“
Tipp: Gehen Sie früh. Kleiden Sie sich bescheiden. Keine Fotos in der Kapelle.
Abende unter den Sternen
Die Stadt Sankt Katharina bleibt nicht lange wach. Aber wenn Sie sich vor einer Pension niederlassen – wie dem Fox Camp oder Sheikh Mousa – werden Sie Wärme finden. Beduinentee. Sterne in Surround-Sound. Gelegentlich eine Oud, die im Feuerschein gespielt wird.
Es ist kein Nachtleben. Es ist Seelenruhe.
Was auf dem Teller liegt
Sankt Katharina ist keine Feinschmeckerstadt. Aber das Essen, das sie bietet, ist ehrlich. Langsam gekochte Linsensuppe. Fladenbrot, frisch aus dem Tandoor gezogen. Zaatar mit Olivenöl von Bäumen, an denen Sie wahrscheinlich früher vorbeigegangen sind.
Fragen Sie nach Fatimas Küche – kein Schild, nur ein Innenhof. Die besten Linsen der Stadt. Vielleicht sogar der Welt.
Fortbewegung
Man geht zu Fuß. Vielleicht reitet man auf einem Esel, wenn jemand es anbietet. Alles ist nah. Alles ist langsam. Wenn Sie sich beeilen, verpassen Sie den ganzen Sinn.
Schlaf zwischen Stein und Himmel
Das Kloster-Gästehaus ist schlicht, ruhig und der heiligen Stätte am nächsten. Sheikh Mousa bietet ein von Beduinen geführtes Erlebnis mit Geschichten am Feuer. Das Desert Fox Camp hat bunte Decken und stille Morgen.
Jeder Ort kommt mit inkludierter Stille.
Beste Reisezeit
Frühling und Herbst sind am angenehmsten. März bis Mai: Die Gärten blühen. September bis November: Ideal zum Wandern. Vermeiden Sie den Hochsommer, es sei denn, Sie genießen Gespräche mit Ihrem Schweiß.
Denken Sie an Sankt Katharina? Bringen Sie Ihre langsamsten Schuhe und Ihre stillsten Gedanken mit. Diese Bergstadt braucht kein Publikum. Sie heißt einfach Zeugen willkommen.
